Erste Ergebnisse des WOWI-Gesamtindex (WOWI-GIX) vorgestellt

Die ersten Ergebnisse des WOWI-Gesamtindex (WOWI-GIX)  wurden im Rahmen des Fachvortrages „Finanzmarkt Wohnungswirtschaft“ am 14.01.2026 vorgestellt. Vorausgegangen ist diesem Stimmungsbarometer für Finanzierung und Investition in der Wohnungswirtschaft eine vierwöchige Erhebungsphase im Dezember bis Anfang Januar 2026.

Somit lag im Januar 2026 der WOWI-Gesamtindex bei 46,98 Punkten und damit im mittleren Stimmungsbereich zwischen 40 und 60 Punkten. Der Finanzierungsindex WOWI-FKX erreicht 43,46 Punkte, während der Investitionsklima-Index WOWI-IKX mit 50,51 Punkten leicht darüber liegt. Beide Sub-Indizes signalisieren, dass die Stimmung weder ausgesprochen pessimistisch noch eindeutig positiv ist – vielmehr dominiert eine abwartende, von Unsicherheit geprägte Haltung. Zugleich zeigt sich: Die Investitionsbereitschaft wird insgesamt etwas besser eingeschätzt als die Finanzierungsbedingungen.

Was spiegelt der WOWI-GIX wider?

Der WOWI-GIX ist ein neuer Gesamtindex, der das Finanzierungs- und Investitionsklima in der deutschen Wohnungswirtschaft quartalsweise misst und damit eine orientierende Kennzahl für die Branche bereitstellt. Er setzt sich aus zwei gleichgewichteten Sub-Indizes zusammen: dem WOWI-FKX als Finanzierungs-Sentiment-Index und dem WOWI-IKX als Investitionsklima-Index. Grundlage bilden sechs Kernfragen – je drei zur Finanzierung und drei zum Investitionsklima –, die quartalsweise und im Vorfeld  der Veranstaltung „Finanzmarkt Wohnungswirtschaft“ unter Wohnungsunternehmen erhoben werden. Die Auswertung erfolgt über ein lineares Score-Modell und ermöglicht so eine stabile, differenzierte Zeitreihe, mit der sich Entwicklungen im Zeitverlauf nachvollziehen lassen.

Finanzierungsbedingungen: Belastungsprobe mit regionalen Unterschieden

Die Finanzierungssituation wird von vielen Wohnungsunternehmen als angespannt und zunehmend komplex erlebt. Der WOWI-FKX signalisiert, dass die aktuellen Finanzierungsbedingungen leicht besser bewertet werden als die Erwartungen, aber insgesamt deutlich unter einem „guten“ Stimmungsniveau liegen. Aus den Kommentaren der Teilnehmenden spricht vor allem der Druck, tragfähige Finanzierungen bei gleichzeitig steigenden Kosten, regulatorischen Anforderungen und unsicheren Förderkulissen zu strukturieren.

Auffällig sind dabei erkennbare regionale Unterschiede in der Einschätzung der Finanzierungsbedingungen. In einigen Regionen berichten Unternehmen von vergleichsweise stabilen Bankbeziehungen und planbaren Förderkulissen, während andere Standorte deutlich restriktivere Kreditvergaben, Engpässe bei Fördermitteln und eine spürbar geringere Risikobereitschaft der Finanzierer wahrnehmen. Dadurch divergieren Spielräume für Investitionen und Wachstumsstrategien je nach Markt deutlich.

Besonders häufig werden drei Problemfelder genannt:

  • Es fehle eine tragfähige Förderlandschaft; die Bereitstellung von Wohnraum für niedrige und mittlere Einkommen sei im Neubau unter den derzeitigen Rahmenbedingungen kaum möglich, ohne die finanzielle Stabilität kommunaler Gesellschaften zu gefährden.
  • Lange Wartezeiten bei der Bewilligung von Wohnraumfördermitteln erschweren die Planungssicherheit und beeinträchtigen die Gesamtstrategie der Finanzierung.
  • Entscheidungs- und Dokumentationsprozesse – inklusive KYC-Anforderungen (Know Your Customer) – seien deutlich aufwendiger geworden und führten zu einem erheblichen zusätzlichen Arbeitsaufwand in den Unternehmen.

Hinzu kommt eine wahrgenommene Intransparenz bei den tatsächlichen Kosten „grüner“ gegenüber „braunen“ Finanzierungen. Diese Unklarheit schürt die Sorge, übervorteilt zu werden, und verstärkt das Gefühl, dass nachhaltige Maßnahmen zwar politisch gefordert, aber ökonomisch nicht hinreichend hinterlegt sind. Verschärft wird die Situation durch Unsicherheiten bei der Verfügbarkeit öffentlicher Mittel, sodass Finanzierungen häufig zunächst zu schlechteren Konditionen dargestellt werden müssen – selbst für Maßnahmen, die unmittelbar der Erfüllung von ESG-Vorgaben dienen.

Abbildung 1: Auswertungen Finanzierungsklima – zum Vergrößern bitte doppelt klicken

Investitionsklima: Bestand im Fokus, Neubau regional besonders unter Druck

Beim Investitionsklima ergibt sich ein gespaltenes Bild. Insgesamt wird die Investitionsbereitschaft im Bestand „annähernd gut“ bewertet, während die Einschätzungen für Neubauvorhaben signifikant schlechter ausfallen – sowohl aktuell als auch mit Blick auf die Erwartungen. Damit verschiebt sich der Fokus vieler Unternehmen klar in Richtung Bestandsentwicklung; großvolumige Neubauprojekte bleiben die Ausnahme.

Auch hier zeigen sich relevante regionale Unterschiede. In einigen Märkten bleibt die Investitionsbereitschaft im Bestand trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen robust, etwa dort, wo kommunale Unterstützung, Förderstrukturen oder lokale Standards (z.B. städtische Programme) verlässlicher greifen. In anderen Regionen führen hohe Baukosten, unsichere Zins- und Förderperspektiven sowie strenge lokale Regulierung dazu, dass selbst wirtschaftlich sinnvolle Bestandsinvestitionen zurückgestellt werden – der Neubau ist vielerorts noch stärker betroffen.

Rund die Hälfte der Befragten sieht die Rahmenbedingungen für Investitionsanreize als schlecht oder sehr schlecht an. Die Gründe liegen vor allem in:

  • einer als „vollkommen unübersichtlich“ wahrgenommenen Förderlandschaft,
  • fehlender Abstimmung zwischen Wohnraumförderung und KfW-Programmen,
  • hoher Bürokratie bei Förderanträgen (z.B. KfW, Landesbehörden) und
  • einer Regulierungs- und Gesetzgebungslage, die als volatil und wenig verlässlich beschrieben wird (u.a. GEG, EPBD, Anforderungen an Niedrigenergiehausstandards).

Die Rückmeldungen machen deutlich, dass die Wohnungswirtschaft trotz dieser Rahmenbedingungen konstruktiv nach Lösungen sucht. Die Unternehmen versuchen, ihre Investitionsstrategien zu justieren, Förderoptionen optimal zu nutzen und den Spagat zwischen Bezahlbarkeit, Klimaschutz und wirtschaftlicher Tragfähigkeit zu bewältigen. Der WOWI-GIX soll sie dabei unterstützen, indem er Stimmungs- und Marktsignale systematisch bündelt, regionale Unterschiede sichtbar macht und Trends frühzeitig erkennbar werden lässt.

Abbildung 2: Auswertungen Investitionsklima – zum Vergrößern bitte doppelt klicken

Ausblick: Warum der WOWI-GIX jetzt besonders wichtig ist

Die Rückmeldungen machen deutlich, dass die Wohnungswirtschaft trotz dieser Rahmenbedingungen konstruktiv nach Lösungen sucht. Die Unternehmen versuchen, ihre Investitionsstrategien zu justieren, Förderoptionen optimal zu nutzen und den Spagat zwischen Bezahlbarkeit, Klimaschutz und wirtschaftlicher Tragfähigkeit zu bewältigen. Der WOWI-GIX soll sie dabei unterstützen, indem er Stimmungs- und Marktsignale systematisch bündelt, regionale Unterschiede sichtbar macht und Trends frühzeitig erkennbar werden lässt.

So entsteht mit dem WOWI-GIX ein Instrument, das die Einschätzungen der Wohnungsunternehmen zu Finanzierung und Investition regelmäßig und strukturiert erfasst – gerade in Zeiten hoher Dynamik an Zins-, Regulierungs- und Förderfront ist dies ein wichtiger Beitrag zur Transparenz. Der Index macht nicht nur sichtbar, wie die Stimmung aktuell ist, sondern auch, wie sich Erwartungen, regionale Rahmenbedingungen und Investitionsschwerpunkte im Zeitverlauf verändern.

Derzeit wird ein festes Experten-Panel von Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern aus der Wohnungswirtschaft etabliert, welches vierteljährlich um eine Einschätzung gebeten wird – dieses Vorgehen optimiert die Aussagekraft der Daten.

Die ersten Ergebnisse zeigen: Die Branche steht unter Druck, bleibt aber handlungsbereit – insbesondere im Bestand und in Regionen mit verlässlicheren Strukturen. Umso wichtiger ist es, dass Politik, Förderbanken und Finanzierer die in den Daten und Kommentaren erkennbaren Engpässe ernst nehmen und gemeinsam mit der Wohnungswirtschaft an verlässlichen, planbaren und zielgenauen Lösungen arbeiten – regional differenziert, aber mit einem klaren gemeinsamen Ziel: bezahlbares, zukunftsfähiges Wohnen.

Ansprechpartner

Christian Fuest

Leiter Strukturierte Finanzierungen
Dr. Klein Wowi Finanz AG

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